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Musizieren
„Die Improvisation bekundet sich – so Riemann – musikalisch als
klingendes Ergebnis der Auseinandersetzung spontaner Eingebungen mit
einer gestellten Aufgabe“. Auf dieser Basis war das musikalische
Stegreifspiel von je her eine Spezifität musikalischer Praxis, sei es
als Vorstadium kompositorischen Schaffens oder, wie beispielsweise im
Jazz, Kern einer musikalischen Äußerung. In der ambitionierten
künstlerischen Szene ist die Improvisation als öffentliche spontane
Musizierpraxis, so vor allem in Prägungen Neuer Musik, immer wieder und
noch relativ häufig anzutreffen, in konventionell gebundenen Formen eher
selten geworden.
Wenn Sie die Musikdateien unten anklicken und hören können (Rolf Hagen:
"Stella maris", freie Improvisation vom 19.10.2010 im St. Paulus-Dom zu
Münster sowie die Midi-Datei "Hallo, Cashmere",
Improvisation 17.11.04), erklärt sich für Sie - wenn Sie ihn
nicht schon längst kannten - ein wesentlicher Bereich von Vergangenheit
und heutiger Alltags-Lieblingsbeschäftigung: etwas Sinnvolles tun,
 gestalten, musizieren, heißt vielfach: improvisieren. Träumen, denken in
Tönen. Am Klavier. Oder am virtuellen Bösendorfer auf dem vernetzten
Keyboard. Noch lieber, wenn die Finger über die Tasten einer klangfeinen
Kirchenorgel gleiten dürfen. (s. MP3-Datei "Aves Zwillibrockii" zum
Anklicken am Ende der Seite "Hobbys".)
Wie früher sehr häufig und über Jahre auf der Klais-Orgel
in der Heimatgemeinde, mehrfach auch auf der Barockorgel (aus etwa 1720) in
Zwillbrock (St. Franziskus) an der Holländischen Grenze, Nähe Vreden (s.
Foto rechts), oder in St. Johannes im sauerländischen Oesdorf, oder in der
Schlosskirche in Chemnitz, oder auf der historischen Silbermann-Orgel im
elsässischen Molsheim (Nähe Straßburg), oder der kunsthistorisch
bedeutsamen Nicolai-Kirche in Kalkar (2003), oder an der Orgel der
Josefskirche in Gronau, wovon halt zufälligerweise ein Bild existiert
(s. Foto unten links). Auf die gelegentlich gestellte Frage nach einer mehr oder
weniger gelungenen Improvisation, wie denn das Ganze musikalisch
entstehe bzw. gedanklich vonstattengehen
könne, ob mittels spontaner Einfälle oder nach genauester Vorbereitung,
hier eine mögliche Antwort:
Man hat
ein kleines musikalisches Thema oder Motiv vor Augen, eingerahmt in
eines von vielen formalen Mustern, die die Erinnerung - zunächst noch
nicht aktuell bewusst - bereithält und man spielt, vielleicht langsam, die ersten zwei, drei Töne, während in
Gedanken gleichzeitig der fünfte und sechste schon auf seine
musikalische Richtigkeit oder Verwendbarkeit vorausschauend,
antizipierend geprüft werden und spielt während dieses Vorgangs den
dritten oder vierten Ton... In eine bestimmte bzw. passende
 Rhythmik, Instrumentation, Begleitung,
Tonart, Lautstärke usw.
eingebettet, wird parallel zu einer im Kopf
mitlaufenden Dramaturgielinie gemäß einer ebenfalls (fast) gleichzeitig
gefundenen Absicht bezüglich der Gesamtwirkung oder – formal variiert und
kontrastiert - mit Hilfe des Kern- oder des Kontrastmotivs moduliert;
dabei werden kleine Einheiten gebildet, die sich zu einem größeren
Ganzen entwickeln, ggf. wiederholt und neu entwickelt werden, immer aber
kritisch bezogen auf Motiv, Motto, Wirkungsabsicht
oder Ziel. Auch die Qualität des Instruments, der Raum, die Atmosphäre,
die eigene Fertigkeit und aktuelle Befindlichkeit, letztlich natürlich
auch die Zuhörer spielen eine gelegentlich nicht unwesentliche Rolle
dabei. Spontane Greiffehler können übrigens kreativ umgedeutet und weiter
verarbeitet werden in eine sich genau so spontan ergebende Logik des
Verlaufs – als wäre es gewollt gewesen. Der „Fehler“ erhält durch das,
was verknüpfend folgt, eine neue musikalische Folgerichtigkeit...
Kein Rezept natürlich, beileibe nicht! Eher ist’s wie eine quasi
himmlische Leihgabe, verantwortungsvoll zu verwalten, zu pflegen.
So entstanden im Laufe der Jahre manch annehmbare Hörvergnügen, teils
bei Freunden, teils in Kirchen (u.a. "Passio Christi", ein 2-sätziges
Karwochenwerk in modernerer Tonsprache), teils aber auch
quasi-öffentlich, so u.a. bei diversen Anlässen in der Aula der
Goethe-Schule Bochum (mitunter über zu feiernde Namen, aber auch nach
Aufforderung zu einer spontanen Motivnotation aus dem Publikum), im
Museum Bochum, mehrfach auch bei Vernissagen, u.a. bei der Dortmunder
Malerin Britta Basten auf dem herrlich klingenden Steinway-Flügel im
Dortmunder Thomas-Haus, davon formal und in Bezug auf die
Motivverarbeitung besonders gelungen: „Der Engel des Herrn gegen
Luzifer“ (2000,
http://www.britta-basten.de,
dort unter: Malerei, Engel).
Unter derselben Internetadresse
weitere hörbare eigene Werke: Klicken auf Malerei/Licht: "Urnebel"
(Freie Klavier-Improvisation) und auf Malerei/Zartes und Starkes:
"Zartes und Starkes", 2. Satz "Farbig" (freie Keyboard-Improvisation).
Unvergessen und ein echter musikalischer Hit bleibt übrigens eine ganz
private Improvisation mit Sohn Patrick,
völlig ungeplant beim Literatur-Einspielen in der Münsteraner St.
Martini–Kirche vor der Taufe von M. von R., entstanden im August 1991, zufällig mitgeschnitten
(s. MP3-Datei "Vor der Taufe" am Ende der Seite "Reisen")...
a) "Stella Maris"
- ca. 6-minütige Orgelimprovisation
aus dem Zyklus "Marianische Impressionen", entstanden an
der Klais-Orgel im Hohen Dom zu Münster (s. Bild rechts) am 19.10.2010
(CD)
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